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Das Gebäude früher und heute

Die Sächsische Staatskanzlei heute

Heute befindet sich die Sächsische Staatskanzlei im Ostflügel und das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft im Westflügel des Gebäudes. Das Haus wurde und wird seit seiner Einweihung ausschließlich durch Verwaltungen genutzt.

Fotocollage aus Bildern der Skulptur.
Im Eingangsbereich der Sächsischen Staatskanzlei befindet sich die Skulptur »Die Seherin«.  © Malgorzata Chodakowska

Die lebensgroße Bronze-Skulptur der aus Polen stammenden Künstlerin Małgorzata Chodakowska »Die Seherin« wird seit dem 14. Juni 2011 in der Kuppelhalle der Sächsischen Staatskanzlei zu deren künstlerischen Ausgestaltung präsentiert.

Die in Sachsen ansässige Bildhauerin rückt stets menschliche Figuren in den Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Grazile, weibliche Körper – Małgorzata Chodakowska bezeichnet sie mitunter auch als »Abbilder Evas« – stellen die in Bronze gegossene Versinnbildlichung purer Harmonie dar. Versehen mit Lasuren aus zarten Pastelltönen wirkt die überschlanke Schönheit »Die Seherin« rein und natürlich. Ein hauchdünnes, beinahe extravagantes Gewand kleidet den weiblichen Körper,
verhüllt ihn aber zugleich nicht wirklich. Vielmehr betont das güldene Kleid zusätzlich die Nacktheit der Figur, die damit reine Sinnlichkeit ausstrahlt.

Durch die zurückhaltende Farbgebung und die puristische Kunstform der Skulptur fügt diese sich harmonisch in die Kuppelhalle der Sächsischen Staatskanzlei ein. Inmitten hektischer Betriebsamkeit verströmt sie Ruhe und Zufriedenheit. Die geschlossenen Augen und das leichte Lächeln auf den vergoldeten Lippen der Figur untermalen diesen Ausdruck.

Die Künstlerin

Małgorzata Chodakowska wurde 1965 in Łodz (Polen) geboren. Sie besuchte das örtliche Kunstgymnasium und studierte ab 1985 Bildhauerei an den Kunstakademien in Warschau und Wien. 1991 erhielt sie für ihre Diplomarbeit bei Prof. Bruno Gironkoli den Meisterschulpreis. Seit 1991 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Dresden. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 2010 den ersten Preis sowie den Zuschlag zur Realisierung der Plastik »Trauerndes Mädchen« auf dem Heidefriedhof Dresden für die Opfer des 13. Februar 1945. Die Bildhauerin hatte zahlreiche Ausstellungen unter anderem in Wien, Tokio, Dresden, Berlin, St. Petersburg, Graz, Łodz und Veksølund (Dänemark). Małgorzata Chodakowska lebt gemeinsam mit ihrem Mann, dem bekannten sächsischen Ökowinzer Klaus Zimmerling, auf dem Weingut Zimmerling in Pillnitz, wo viele ihrer Kunstwerke im Atelier und im Garten des Guts bewundert werden können.

1900 –1904 entstand das von den Architekten Waldow, Tscharmann und Auster entworfene Gebäude. Die Fassade erinnert von außen betrachtet an franz. Repräsentationsbauten des 17./18. Jh. Innen mischt sich moderner Jugendstil mit Klassizismus. Gebaut mit Sandstein aus der Region Pirna-Posta, beherbergte es damals die Königlichen Ministerien des Innern, der Justiz und für Kultus mit separaten Eingängen.

Die Kuppelhalle ist mit ihrem hochgezogenen Oberlicht Mittelpunkt des Gebäudes. Abgebildet sind hier das sächsische Wappen und die der früheren Regierungsbezirke Zwickau, Bautzen, Chemnitz, Dresden und Leipzig, die man damals Kreishauptmannschaften nannte.

Die Medaillons von König Albert (links) und König Georg (rechts) über den Treppenaufgängen und die vier stattlichen Löwen erinnern an die Bauherren – die Löwen als Wappentier der Wettiner symbolisieren Mut und Herrschertum. Die Bildnisse der Architekten Edmund Waldow, Heinrich Tscharmann und Friedrich Auster sind an der Außenfassade an den Bogenfenstern unterhalb des vorgeschobenen »Großen Sitzungssaales« hervorgehoben.

Nach umfangreichen Rekonstruktions- und Restaurierungsarbeiten (1990 -1998) sind auch die für den Spätjugendstil typischen Elemente im Gebäude wieder zu sehen. Das gilt vor allem für die Übermalungen von Jugendstilelementen und baulichen Veränderungen (in den Gängen und Treppenhäusern), die zu DDR-Zeiten vorgenommen worden sind. Hervorzuheben sind die besonders eindrucksvollen Jugendstilmalereien im »Großen Sitzungssaal«.

Denkmalpflegerisches Anliegen war es nach der Wende, die Räume als Dokument ihrer Zeit wieder herzurichten. Das geschah unter dem Blickwinkel der Kosten und der Funktionalität, die an ein modernes Verwaltungsgebäude gestellt werden. Mit den modernen Beleuchtungskörpern, Aufzügen und Elementen, die die Akustik in den sehr hohen Räumen unterstützen, erlebt das Gebäude nach der Rekonstruktion eine gelungene Renaissance. Modernste Technik für Pressekonferenzen, Multimedia- und Videoprojektionen und die Übertragung der Veranstaltungen über einen Hauskanal ergänzen den Charme des von Kreuzgewölben geprägten historischen Ambientes des Mediazentrums im Foyer. Auch andere ausgewählte Räume zeigen sich nach den Baumaßnahmen in einem nicht prunkvollen, aber repräsentativen Gewand.

Der elliptische »Große Sitzungssaal« mit seinem Moniergewölbe an der Nordseite des Mittelbaus brilliert heute noch durch seine Raumgestaltung mit der besonderen Architektur. Die bezaubernden Ornamente auf mattgrünem Untergrund und die Wandmalereien von Professor Otto Gussmann können heute noch bewundert werden. Die beiden Ölgemälde von Francesco Migliori mit den mythologischen Szenen »Bacchus und Ariadne« (300 x 402 cm) und die »Entführung der Europa« (300x 404 cm)  befinden sich seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Gemäldegalerie Alte Meister/Staatliche Kunstsammlungen Dresden und waren von 1904-1930 hier zu sehen. Mit der Abbildung der Gemälde auf dieser Karte soll das frühere Aussehen visualisiert und an die »Arbeitsstätte im Repräsentationsraum« (Zitat aus der Baubeschreibung von 1907) erinnert werden.

Francesco Migliori (venezianisches Gebiet um 1684 – 1734 in Venedig) war ein italienscher Barockmaler. Ab 1722 malte er für die Galerie von Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen, vor allem biblische Themen. Später schuf er Altar- und Kirchenbilder und war fast ausschließlich in Venedig tätig.

Drei separate und individuell gestaltete Eingänge führten damals in die Königlichen Ministerien. Kinderszenen aus Sandstein verdeutlichen deren frühere Zuständigkeiten:

  • Inneres von Ernst Hottenroth: Adelskommissariat, Statistisches Landesamt, Frauenklinik, Botanischer Garten, Tierärztliche Hochschule, Landesversicherungsanstalt, Vermessungswesen, Kunstakademie, Baugewerbeschulwesen, Kunstgewerbeschulwesen, Polizei, Erhaltung der Altertümer (Denkmalschutz).
  • Justiz von Hermann Viehweg: Beratung, Ausführung/Studium des Gesetzes, Schutzfunktionen des Gesetzes, Bittgesuche, Begnadigung und Segen unter dem Schutz des Gesetzes.
  • Kultus von Albert Ohlendieck: Technische Hochschule, Katholisches/Evangelisches, Bekenntnis, Universität, Stipendienwesen, Turnen, Sport, Jugendunterricht.

Der Hahn demonstriert Wachsamkeit. Der Adler versinnbildlicht Stärke. Die Eule veranschaulicht Weisheit. Der Rabe symbolisiert Klugheit. Der Bienenkorb regt zum Fleiß vergleichbar mit den Bienen an. Der Löwe verkörpert Mut, Macht und Königliches. Der Löwe ist das Wappentier der Wettiner, zu deren Geschlecht die Bauherren König Albert und sein Bruder König Georg gehörten.

Pelikan: Mythologisch ist überliefert, dass der Pelikan seine Jungen mit seinem eigenen Blut nährt. In einem Tierkompendium wird beschrieben: Der Pelikan öffnet sich mit dem Schnabel die Brust, um seine verhungernden bzw. toten Jungen mit seinem Blut wieder ins Leben zurückzuholen. Ursprünglich wird diese Allegorie mit dem Opfertod Jesu Christi bzw. als Symbol der Nächstenliebe gesehen. Hier symbolisiert sie staatliche Fürsorge.

Mit den acht Gemälden im »Großen Sitzungssaal« schuf Gussmann Allegorien zu Kunst, Ackerbau, Handel, Landverkehr, Forschung, Handwerk, Verkehr zu Wasser und Industrie. Bereiche, die für das Gedeihen eines Landes bestimmend sind, werden dargestellt.

Die Geschichte des Gebäudes

Die Sächsische Staatskanzlei befindet sich im so genannten »Gesamtministerium«, dem Gebäude der ehemaligen Königlichen Ministerien des Innern, für Kultus und öffentlichen Unterricht sowie der Justiz. Der neobarocke Bau entstand in den Jahren 1900 bis 1904 als Pendant zum gegenüberliegenden Finanzministerium.

Die wechselvolle Geschichte des Freistaats Sachsen lässt sich in der Nutzung des Ministerialgebäudes am Neustädter Ufer, dem heutigen Sitz der Sächsischen Staatskanzlei und des Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), nachvollziehen. Als sich um 1900 abzeichnete, dass die schlecht beleuchteten und viel zu kleinen Diensträume des Innenministeriums und des Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts für die Bewältigung der Verwaltungsaufgaben nicht mehr geeignet sein würden, beschloss das damalige Königreich Sachsen für diese Ministerien ein neues Gebäude zu errichten. So wurde das Haus nach seiner Fertigstellung im Jahre 1904 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Sitz der beiden Ministerien und des Königlichen Ministeriums der Justiz genutzt. Von Anfang an war das Gebäude als Gesamtministerium konzipiert worden und hatte als solches auch drei Haupteingänge.

Das Ende der Monarchie und die Gründung des Freistaats Sachsen 1918 änderte an der Nutzung als Ministerialgebäude für die genannten Ministerien zunächst nichts – allerdings wurde der Zusatz »Königlich« in deren Bezeichnung getilgt. Während der turbulenten Zeit der Weimarer Republik zogen ab 1925 fast im Zweijahresrhythmus Ministerien ein und wieder aus. Zwischen 1927 und 1934 beherbergte das Gebäude gleich sieben Ministerien auf einmal. Neben Gesamtministerium und Staatskanzlei auch das des Inneren, der Auswärtigen Angelegenheiten, das Arbeits- und Wohlfahrtsministerium, das Wirtschaftsministerium und das Ministerium für Volksbildung.

Im Zuge der Gleichschaltung der Länder im nationalsozialistischen Deutschland hört der Freistaat Sachsen 1935 staatsrechtlich auf zu existieren, womit die Landesregierung ihre Hoheitsrechte an das Reich abtreten musste. Damit wurde auch das Sächsische Außenministerium aufgelöst. Ein Jahr später mussten dann die restlichen Ministerien das Gebäude räumen. Stattdessen nutzte Hitlers Statthalter in Sachsen, Martin Mutschmann, das Haus als Sitz des Sachbearbeiters der Arbeitsschlacht der NSDAP Gauleitung Sachsen. 1936 bis 1945 beherbergte das Gebäude dann das Stenografische Landesamt, das Ministerium des Inneren und das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit. In den letzten Kriegsjahren wurden hier Landesbehörden, Der Reichsstatthalter in Sachsen, das Wohnungs- und Siedlungsamt, die Planungsbehörde und das Landwirtschaftsamt untergebracht.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente das teilweise zerstörte Gebäude als Sitz des Polizeipräsidiums Dresden. Ab 1950 nutzte die Landesregierung Sachsen das Haus unter anderem als Ministerium für Volksbildung, Ministerium für Gesundheitswesen und Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, bis 1952 die Länder erneut aufgelöst wurden – diesmal auf Anweisung der SED-Regierung in Ostberlin. Danach tagte hier bis zur Friedlichen Revolution der Rat des Bezirks Dresden.

Im Wendejahr 1990 wirkten im Haus die Bezirksverwaltungsbehörde Dresden, sowie der Koordinierungsausschuss zur Bildung des Landes Sachsen. 1991 zog dann die Sächsische Staatskanzlei ein und mit ihr Arbeitsstäbe zum Aufbau der Staatsministerien des Inneren, der Justiz, für Kultus und für Wissenschaft und Kunst. Noch im selben Jahr zogen das Kultusministerium und das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst wieder aus. Bis 1993 befand sich im Gebäude außerdem die private Niederlassung der seit 1983 hier praktizierenden Betriebszahnärztin. Im Laufe der Neunziger bezogen das Justizministerium (1994) und das Innenministerium (1999) jeweils eigene Domizile im neuen Regierungsviertel. Seit 1999 ist das Haus nicht nur Sitz der Sächsischen Staatskanzlei sondern auch des Sächsisches Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft.

»Als im Anfang des achtzehnten Jahrhunderts fürstliche Pracht und aufblühendes Bürgertum Dresden mit den herrlichsten Bauten schmückte, wurde die auf dem rechten Elbufer gelegene Neustadt nur schlecht bedacht«, schrieb Dr.-Ing. Mackowsky in einem 1907 von der Bauleitung herausgegeben Band über Entstehung und Nutzung des Hauses. In der Tat glänzte die flussaufwärts des Goldenen Reiters gelegene Elbseite gegen Ende des 19. Jahrhunderts kaum mit städtebaulicher und architektonischer Schönheit: Gegenüber der Brühlschen Terrasse  reihten sich Militärbauten und Wagenschuppen entlang des Elbufers.

Mit dem Bau einer neunen Militärstadt nördlich Dresdens nach Gründung des Deutschen Reichs 1871, ergab sich mitten im Stadtzentrum Raum für die ambitionierten städtebaulichen Vorhaben des aufstrebenden Sächsischen Königreichs. Bereits 1877 schrieb der vom Königlichen Finanzministerium beauftragte Oberlandbaumeister Carl Adolph Canzler deutschlandweit einen Wettbewerb zur Gestaltung des neunen Stadtteils aus. Der Wettbewerb misslang, obwohl 76 Entwürfe eingereicht wurden. Der Grund lag wohl darin, dass keine funktionellen Vorgaben für die neu zu errichtenden Bauten gemacht wurden. Lediglich die Einbindung einer neuen Elbquerung war angedacht. Die meisten der beteiligten Architekten entwarfen zwei monumentale Gebäude an der Mündung der neuen Brücke: Das Finanzministerium und das Gesamtministerium.

Erst zehn Jahre später wurden die Pläne konkret, als die schlechten Bedingungen der Unterbringung des Königlich-Sächsischen Innen- und Kultusministeriums zu einem Neubau drängten. Die Ministerien waren bis dahin im so genannten »Ministerhotel« bzw. im Kanzleihaus an der Schlossstraße untergebracht, wo die Räumlichkeiten zu eng und dunkel waren. Von nun an war der Geheime Baurat Edmund Waldow mit dem Bau des neuen Ministerialgebäudes betraut. Die ersten Skizzen legte er im Juni 1899 vor, über den Bauantrag entschied der Landtag noch in der Sitzungsperiode 1899/1900. Neben Edmund Waldow wurden der Landbauinspektor Friedrich Auster und der Architekt Heinrich Tscharmann mit den Bau betraut. Der erste Spatenstich erfolgte am 6. August 1900. Die einzelnen Bauphasen verliefen so reibungslos, dass die ursprünglich veranschlagte Bauzeit von fünf Jahren um ein dreiviertel Jahr unterboten werden konnte. Am 4. Juli 1903 wurde die Krone auf das Oberlicht des Mittelbaus aufgesetzt, im November 1904 war dann auch der Einzug der Ministerien beendet. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen bekam mit dem Justizministerium ein drittes Ministerium seinen Sitz im neuen Ministerialgebäude.

Nicht nur die Bauzeit auch die Kosten konnten niedriger gehalten werden, als geplant. Damit war der Bau des Dresdner Ministerialgebäudes im Vergleich mit ähnlichen Anlagen relativ günstig. In das 154 Meter lange, 67 Meter breite und 25 Meter hohe Haus wurden 4.305.000 Mark investiert. Der umbaute Raum beträgt 589,63 Kubikmeter. Das etwa zur gleichen Zeit entstandene Reichsgericht in Leipzig verschlang die Bausumme von 5.902.000 Mark, wobei der umbaute Raum nur 132.156 Kubikmeter beträgt.

Der Baustil ist dem Neobarock zuzuordnen, wobei Einzelformen der Jugendstil anhaftet. In einem 1907 von der Bauleitung herausgegeben Band über Entstehung und Nutzung des Hauses schreibt Dr.-Ing. Mackowsky, die Bauherren wollten eine Architektur, »die in den reiferen Formen des heimatlichen Barock auch von den vergangenen Zeiten redet und damit das neue Gebäude dem Herzen des Volkes nahe bringt«. Um die Beziehung zu den barocken Prachtbauten der Altstadt und dem unmittelbar gegenüberliegenden Finanzministerium herzustellen, entschied man sich für die Verwendung von Postaer Sandstein.

Die Eingliederung in den Stadtraum ergibt sich aus drei Faktoren des Baugrunds: Der Lage an Elbe und Carolabrücke sowie der geplanten Nutzung durch drei Ministerien. Die Frontseite des Gebäudes erstreckt sich über 154 Metern Länge am Elbufer. Hier befindet sich auch der Haupteingang, 1905 Zugang zum Innenministerium, dem wichtigsten der drei Ministerien im Gebäude. An die zwei durch einen emporgehobenen Querbau verbundenen Langhäuser stoßen zu beiden Seiten verschieden lange Flügelbauten. Hier befanden sich die Eingänge zu den anderen Ministerien: Am Carolaplatz der zum Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, von der heutigen Archivstraße her gelangte man ins Justizministerium. Auf seiner Rückseite öffnet sich das Gebäude zur Stadt hin mit einer Art Gartenhof. Als solcher wurde er aber nie genutzt und stellt eher eine Erweiterung des Straßenraums dar.

Von der Carolabrücke als Mittelachse her gesehen, sollte das Gesamtministerium ein Gegengewicht zur schweren Masse des Finanzministeriums bilden. Auf Einzelformen wurde daher fast gänzlich verzichtet und ein schweres Sockel- und Erdgeschoss errichtet. Die darüber liegenden Stockwerke sind davon nur mit durchgehenden Lisenen getrennt. Ornamente befinden sich nur an wenigen ausgewählten Stellen an den Mittelvorlagen der vier Fronten. Seitlich der Portale prangen jeweils zwei Löwenköpfe, in der Mitte des Türbogens das sächsische Wappen. Der weitere figürliche Schmuck bezieht sich jeweils auf das Verwaltungsgebiet der drei alten Ministerien. Um die enorme Längenausdehnung etwas zu mildern, wurden die Eckbauten betont und hochgezogen. Ebenso hochgezogen wurde das Oberlicht des Mittelbaus für die zentrale Erschließungshalle. Die Spitze der Halle krönte das damalige Staatssymbol: Die Königlich-Sächsische Krone.

Auch bei der Gestaltung des Inneren setzten die Architekten auf relativ einfache und sachliche Formen ohne die beabsichtigte staatstragende Wirkung zu verfehlen. In den großen Bögen der 25 Meter hohen zentralen Halle sitzen als Schlusssteine die Wappen der Städte der alten Kreishauptmannschaften: Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau und Bautzen. Des Weiteren finden sich hier die Tiersymbole Hahn, Adler, Eule und Rabe für Wachsamkeit, Stärke, Weisheit und Klugheit. In den oberen Schildbögen befindet sich je ein Pelikan, der seine Jungen nährend Symbol staatlicher Führsorge ist. Den barock geschwungenen Giebel über der Eingangstür zum großen Sitzungssaal ziert ein Bienenkorb als Symbol des Fleißes.

Der große Sitzungssaal in der Mittelachse des Nordflügels im ersten Obergeschoss war auch der am anspruchsvollsten und repräsentativsten ausgestattete Innenraum. Die ovale Grundfläche ist mit einem Moniergewölbe eingedeckt, in das acht Nischen mit Stichkappen einschneiden. Der zehn Meter hohe Saal ist bis in drei Meter Höhe mit dunkelrot gebeiztem Eichenholz eingetäfelt. Nischen und Konchen wurden blau gefärbt, das Deckengewölbe grün. Die geschwungenen floralen Elemente der Ausmahlungen verweisen auf Anleihen beim Jugendstil.

Das Ministerialgebäude war während des Zweiten Weltkriegs weit weniger beschädigt worden, als etliche andere historische Bauten Dresdens. Vom Krieg gezeichnet waren vor allem Westtreppenhaus und Dach. Dennoch genügten die Verhältnisse im Gebäude nach der Friedlichen Revolution nicht mehr den Ansprüchen des Sitzes einer Staatsregierung und ihrer Ministerien. Die Entscheidung das Gebäude für den Einzug des Ministerpräsidenten und der Staatskanzlei zu sanieren, fiel noch im August 1990. Für das ehemalige Gesamtministerium sprachen die schnelle Nutzbarkeit und die zentrale Lage des Hauses. Dessen Fassade wurde im Zuge der äußeren Instandsetzung originalgetreu wiederhergestellt. Auch die 600 Kilogramm schwere goldene Krone wurde wieder auf die Spitze des Mittelbaus gesetzt. Nach 1945 war die Krone beseitigt und durch eine Friedenstaube ersetzt worden. Die Restauration des einst Königlich-Sächsischen Staatsymbols war keine Äußerung neuer politischer Ansprüche, sondern erfolgte allein aus denkmalpflegerischen Beweggründen.

Im Inneren präsentierte sich das Haus nach der Friedlichen Revolution in unterschiedlichem Zustand. Die Großzügigkeit der Anlage aus der Zeit um 1900 wurde durch zahlreiche Verbauungen in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die Treppenhäuser in den Seitenflügeln waren durch Einbau des Plenarsaals des Rates des Bezirks Dresden bzw. eines Rechenzentrums stark verändert worden. 1994 begann mit dem ersten Bauabschnitt die Sanierung des Nordwestflügels. 24 Monate später wurden die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt am Südwestflügel und am südlichen Mittelbau aufgenommen. Der Dritte Bauabschnitt galt der Wiederherstellung des Nordostflügels, des Südflügels und des nördlichen Mittelbaus. Im Rahmen des vierten und letzten Bauabschnitts wurde der westliche Gebäudeteil erneuert, den heute das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft nutzt.

Ziel der Sanierungsarbeiten war es einerseits die wesentlichen Räume wieder in ihren Ursprungszustand zu versetzen, andererseits aber auch funktionellen Ansprüchen einer modernen Behörde gerecht zu werden. Vor dem Hintergrund dieses Spannungsverhältnisses wurde z.B. die Einordnung von Aufzügen im zentralen Bereich rege diskutiert. Man entschied sich für die Lösung des Architekten Sandro Graf von Einsiedel, der gläserne Aufzüge in der westlichen und östlichen Peripherie der zentralen Halle vorsah. Vor Baubeginn 1990 wirkte die zentrale Halle noch sehr düster. Durch den Mittelkranz von 4,60 Meter Durchmesser und weitere passende Leuchten konnte der Raum aufgehellt werden. Restauriert wurden auch die Gemälde mit den Pelikanen und Löwen.

Im Erdgeschoss wurde ein modernes Media- und Bürgerzentrum eingerichtet. Direkt unter dem »Bienenkorb« gelegen, ist der Raum zentral und leicht erreichbar und wird neben seiner Hauptnutzung zu Pressekonferenzen z.B. als Vortragsraum für Besuchergruppen oder als Fernsehstudio genutzt. Der große Sitzungssaal selbst stellte aufgrund seiner hochwertigen Gestaltung besondere Herausforderungen an die Restauratoren. Die geschnitzten Täfelungen mussten freigelegt und erneuert, die nur in Fragmenten erhalten laubenartigen Malereien komplett restauriert werden. Nach dem Ende der Arbeiten ist nun die aufgrund der blau-grünen Wand- und Deckenbemalung spannungsvolle, aber gleichzeitig warme Atmosphäre des »Bienenkorbs« wiederhergestellt.
 
Die Büros sind durchgängig in weiß gehalten. Bodenbelag und Sockelleisten entsprechen den in den Fluren verwendeten Materialien. In den ehemaligen Kassen- und Tresorräumen des Sockelgeschosses wurden Speisesaal und Kantine untergebracht. Die Kosten der Sanierung und Restaurierung beliefen sich auf 46,1 Millionen Euro. Zuvor waren im ersten Bauabschnitt 5,1 Millionen Euro in Leistungen zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit der Sächsischen Staatsregierung investiert worden.

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